Gruppenarbeit in der Schule. Nach zwei Minuten hast du verteilt, wer was macht, und irgendwie fanden das alle okay.

Wenn dir das bekannt vorkommt, trägst du vermutlich ein stark ausgeprägtes Motiv Macht in dir. Das Wort klingt erstmal unsympathisch, ist es aber nicht. In diesem Teil unserer Serie schauen wir uns an, was wirklich dahintersteckt und was es für deine Berufswahl bedeutet.

Was steckt hinter dem Motiv Macht?

In der Motivationspsychologie beschreibt das Motiv Macht den Wunsch, Einfluss zu nehmen: Verantwortung zu tragen, Entscheidungen zu treffen, andere anzuleiten und Dinge in die eigene Richtung zu lenken. Es geht nicht darum, andere klein zu machen. Es geht darum, gestalten zu wollen.

Und wie immer gilt: Eine niedrige Ausprägung ist genauso in Ordnung wie eine hohe. Die Arbeitswelt braucht Menschen, die führen wollen, und mindestens genauso dringend Menschen, die richtig gut in ihrem Fach sind, ohne Chef werden zu wollen.

Woran du eine hohe Ausprägung erkennst

Du meldest dich, wenn niemand die Verantwortung übernehmen will. Es fällt dir schwer zuzusehen, wenn etwas schlecht organisiert ist, und noch schwerer, dann nichts zu sagen. Beim Sport oder in Games übernimmst du wie selbstverständlich die Rolle, in der du das Team steuerst. Und die Vorstellung, irgendwann Leute anzuleiten oder einen eigenen Laden zu führen, fühlt sich für dich nicht nach Last an, sondern nach Ziel.

Woran du eine niedrige Ausprägung erkennst

Du kannst gut damit leben, wenn andere entscheiden, solange die Entscheidungen vernünftig sind. Verantwortung für die Fehler anderer zu tragen, reizt dich null. Du willst deine Arbeit gut machen, pünktlich Feierabend haben und dich nicht mit Personalfragen herumschlagen. Wenn dich jemand fragt, ob du mal Chef werden willst, ist deine ehrliche Antwort: eigentlich nicht.

Das ist keine fehlende Ambition. Es ist eine klare Vorstellung davon, woraus gute Arbeit für dich besteht.

Was das für deine Berufswahl bedeutet

Bei hoher Ausprägung

Wichtig für dich ist weniger der Einstiegsberuf als die Perspektive dahinter. Such dir einen Weg, auf dem Führung erreichbar ist. Im Handwerk ist das der Meister, mit dem du einen Betrieb übernehmen, selbst gründen und ausbilden darfst. Im Einzelhandel führt der Weg über die Ausbildung zur Filialleitung, oft schneller als in anderen Branchen. In Logistik und Produktion gibt es Schichtleiter und Teamleiter, in der Gastronomie Küchenchefs und Restaurantleitungen.

Zwei ehrliche Hinweise dazu. Erstens: Führung muss man lernen, und am Anfang jeder Laufbahn steht das Fachliche. Wer führen will, ohne den Job selbst zu beherrschen, wird nicht ernst genommen. Zweitens: Frag im Vorstellungsgespräch ruhig, was aus früheren Azubis geworden ist. Ein Betrieb, in dem Azubis später Verantwortung bekommen haben, ist dein Betrieb.

Bei niedriger Ausprägung

Du kannst dich voll auf die Frage konzentrieren, welche Tätigkeit dir liegt, ohne auf Aufstiegschancen zu schielen. Fachkraft zu sein ist ein vollwertiger Berufsweg: Als erfahrene Anlagenmechanikerin, als CNC-Fachmann, als eingespielte Kraft in Verwaltung oder Labor bist du gefragt und gut bezahlt, ohne dass du je ein Mitarbeitergespräch führen musst.

Lass dich nicht von dem Spruch stressen, man müsse doch weiterkommen. Weiterkommen kann auch heißen: im eigenen Fach immer besser werden.

Ein Motiv allein entscheidet nichts

Ein hohes Machtmotiv mit starkem Ordnungsmotiv ergibt einen anderen Weg als mit starker Neugier. Erst die Kombination deiner stärksten Motive zeigt, wohin die Reise geht.

Wenn du wissen willst, wie stark dein Motiv Macht ausgeprägt ist: Mach den kostenlosen Test. Er dauert etwa 12 Minuten, und am Ende bekommst du dein persönliches Motivprofil mit passenden Berufsvorschlägen.

Der nächste Teil der Serie folgt bald.