„Gut gemacht.”

Zwei Worte. Bei manchen Menschen wirken sie tagelang nach, andere zucken nur mit den Schultern. Wie lange trägt dich so ein Satz? Die Antwort verrät einiges über dein Motiv Anerkennung, um das es in diesem Teil unserer Serie geht.

Was steckt hinter dem Motiv Anerkennung?

Die Motivationspsychologie geht davon aus, dass alle Menschen dieselben Grundmotive in sich tragen, nur eben unterschiedlich stark. Das Motiv Anerkennung beschreibt, wie sehr du die Bestätigung anderer brauchst: Lob, Zustimmung, das Gefühl, angenommen zu sein. Und umgekehrt, wie stark dich Kritik und Ablehnung treffen.

Wie bei jedem Motiv gilt: Es gibt keine richtige Ausprägung. Ein hohes Anerkennungsmotiv macht dich nicht schwach, ein niedriges nicht arrogant. Beide brauchen nur unterschiedliche Arbeitsumgebungen, um gut zu funktionieren.

Woran du eine hohe Ausprägung erkennst

Vielleicht kennst du das: Nach einer Klassenarbeit denkst du weniger an die Note als daran, was der Lehrer beim Zurückgeben gesagt hat. Kritik beschäftigt dich noch Tage später, auch wenn sie freundlich gemeint war. Bevor du etwas abgibst, fragst du lieber dreimal nach, ob es so passt. Und in Gruppen achtest du genau darauf, wie die anderen auf dich reagieren.

Das bedeutet nicht, dass du unsicher bist. Es bedeutet, dass Rückmeldung für dich Treibstoff ist. Mit dem richtigen Umfeld machst du daraus eine Menge.

Woran du eine niedrige Ausprägung erkennst

Oder du bist eher so: Kritik hörst du dir an, nimmst mit, was nützlich ist, und der Rest ist dir ziemlich egal. Ob dein Umfeld gut findet, was du tust, spielt für deine Entscheidungen kaum eine Rolle. Du brauchst kein Lob, um zu wissen, dass deine Arbeit etwas taugt.

Diese Unabhängigkeit vom Urteil anderer ist selten und wertvoll. Sie macht dich belastbar in Situationen, in denen andere einknicken.

Was das für deine Berufswahl bedeutet

Bei hoher Ausprägung

Für dich ist die Feedbackkultur eines Betriebs wichtiger als vieles andere. In einem Umfeld, in dem nur gemeckert wird, gehst du ein. In einem Betrieb, in dem Ausbilder sich Zeit nehmen und auch mal sagen, was gut läuft, wächst du über dich hinaus.

Gut passen Berufe, in denen du direkt zurückbekommst, was deine Arbeit wert ist. In der Pflege und in sozialen Berufen zeigen dir Menschen ihre Dankbarkeit unmittelbar. Im Handwerk siehst du am Ende des Tages ein Ergebnis, das für sich spricht, und Kunden, die sich freuen. Auch kleinere Ausbildungsbetriebe sind oft die bessere Wahl als große anonyme Firmen, weil du dort kein Durchläufer bist, sondern jemand, dessen Entwicklung wahrgenommen wird.

Ein Tipp fürs Praktikum: Achte weniger auf die Tätigkeit und mehr darauf, wie die Leute dort miteinander reden. Wird erklärt oder nur korrigiert? Das sagt dir mehr über deine Zukunft in dem Betrieb als jede Broschüre.

Bei niedriger Ausprägung

Dir stehen Berufe offen, an denen viele andere scheitern, und zwar genau wegen deiner dicken Haut. Im Verkauf und Vertrieb gehört Ablehnung zum Alltag, und wer jedes Nein persönlich nimmt, hält das nicht durch. Du schon. Auch Reklamationsbearbeitung, Kundendienst bei Beschwerden oder Berufe mit rauem Umgangston, etwa auf der Baustelle oder in einer hektischen Küche, bringen dich nicht aus der Ruhe.

Und wenn du irgendwann über Selbstständigkeit nachdenkst: Dort gibt es niemanden, der dir auf die Schulter klopft. Für dich wäre das kein Verlust.

Ein Motiv allein entscheidet nichts

Ein hohes Anerkennungsmotiv zusammen mit einem starken Beziehungsmotiv führt in andere Berufe als zusammen mit einem starken Bedürfnis nach Ordnung. Erst die Kombination deiner stärksten Motive ergibt ein rundes Bild.

Wenn du wissen willst, wo dein Motiv Anerkennung steht und welche Motive dich sonst noch antreiben: Mach den kostenlosen Test. Er dauert etwa 12 Minuten, und am Ende bekommst du dein persönliches Motivprofil mit passenden Berufsvorschlägen.

Der nächste Teil der Serie folgt bald.